11.11.2011 – Lang LKW spaltet die Geister

Nach einem langen Hin und Her steht es nun endlich fest: die Bundesregierung schickt die Lang-Lkw ab 2012 auf die Straße. Für die Logistikbranche der lang ersehnte Segen, die Gegner des Feldversuchs geben sich jedoch nicht so schnell geschlagen.

Am vergangenen Mittwoch hat das Bundeskabinett eine Ausnahmeverordnung für die Riesenlaster gebilligt und damit eine Lawine ins Rollen gebracht, denn der Feldversuch ist zwischen Regierung und Opposition wie auch unter den Bundesländern umstritten. Die SPD-Fraktion hat im Bundestag bereits Klage für den Fall angekündigt, dass Ramsauer den Bundesrat bei der Entscheidung außen vor lässt.

Auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD) äußerte sich kritisch. "Wir befürchten, dass es noch mehr Unfälle auf den Straßen gibt", sagte der niedersächsische Landeschef des VCD, Michael Frömming. Weil die Riesenlaster bis zu 6,5 Meter länger sind als bisher, dürfte demnach selbst das Überholen riskanter werden. Laut Ministerium dürfen deshalb nur Fahrer mit mindestens fünf Jahren Berufserfahrung hinterm Steuer sitzen, die nicht mehr als drei Punkte in Flensburg haben. Auch das Höchstgewicht von 44 Tonnen soll trotz der Überlänge nicht überschritten werden.

"Es wird keine Sechzigtonner, keine "Gigaliner" oder "Monstertrucks" geben", erklärte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Dennoch sollen die Lang-Lkw rund 20 Prozent weniger Sprit verbrauchen und weniger CO2 ausstoßen. Bei den Öko-Lastern spricht die Autoindustrie sogar von bis zu 30 Prozent Kraftstoff- und CO2-Ersparnis. "In den kommenden fünf Jahren können die Lang-Lkw zeigen, dass sie einen wichtigen Beitrag für einen nachhaltigen Güterverkehr leisten", erklärte der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann.

Doch auch dieses Argument kann die Kritiker nicht optimistisch stimmen. VCD-Chef Frömming sieht den Eisenbahngüterverkehr gerade durch den Einsatz der 25-Meter-Lkw in Gefahr. "Ziel muss es sein, mehr Güter auf die umweltfreundliche Schiene zu bringen", so Frömming. Durch die niedrigeren Kosten würden die Lang-Lkw aber die Kluft zwischen Bahn und Straße vergrößern. Als Folge würden noch mehr Güter von der Schiene auf die Straße verlagert. "Das kann nicht Sinn einer guten Verkehrspolitik sein", meint Frömming.

Nicht anders als erwartet, wird der Beschluss vom Bundesverband Güterverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) wiederum sehr positiv aufgenommen. Den Bundesländern, die sich nicht am Feldversuch beteiligen, warf Verbandspräsident Hermann Grewer in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" eine Blockadehaltung aus ideologischen Gründen vor. Denn laut BGL treffe der Vorwurf nicht zu, dass durch die extralangen Lastwagen die Belastung der Brücken zunehme. Vielmehr sei die Belastung dank der 25-Meter-Lkw wesentlich geringer, weil die höhere Achsenzahl das gewicht besser verteile. "In den Niederlanden, wo 1000 Fahrzeuge dieser Art auf den Straßen unterwegs sind, bemerkt sie niemand", ergänzte Grewer zum Thema Sicherheit. Er hofft, dass im Feldversuch Einsparungen bei den Kohlendioxid-Emissionen im Vergleich zu herkömmlichen Lkw nachgewiesen werden können.

Der umstrittene Testlauf soll im kommenden Januar starten. Dann hat die Regierung fünf Jahre Zeit um zu testen, ob sich der Einsatz der 25-Meter-Lkw lohnt.

Quelle: DVZ

 

Zurück